News

zurück

Google
Schnellsuche

Unser wöchentl. Newsletter für Sie kostenlos

Hier zählt TopHits

 

13.08.2001

Dr. Siegward Lychatz - Die Bedeutung leistungsdiagnostischer Untersuchungen im Jahres - Radsport - Alltag

 
Kommt man mit aktiven Rennfahrern ins Gespräch über ihren Leistungsstand im Radrennsport, dann erhält man allerhand Informatives über Rennergebnisse, Leistungs-schwankungen im Jahresverlauf, durchgeführte Trainingslager und individuelle Einschätz-ungen zu Schwächen und Stärken im Wettkampf und Training. Meistens hat man sich auch selber schon ein Bild über den Rennfahrer gemacht, weil man aufmerksam die Rennergebnisse verfolgt, andere Übungsleiter und Sportler über den betreffenden Rennfahrer Einschätzungen gegeben haben und man auch sich einprägt, aus welchem Verein oder welcher Region der Sportler entstammt. Wenn man seit 10 Jahren die Leistungsentwicklung vieler bayerischer Rennfahrer verfolgt, den größten Teil der Übungs
leiter und Trainer aus Weiterbildungen und Radrennen kennt, dann wird die individuelle Handschrift dieser Ausbilder schnell ersichtlich. Es war eine der Stärken des bayerischen Landestrainers Albert Rinn und des Nachwuchsverantwortlichen Jochen Bäßler, daß sie
aus ihrer Erfahrung und ihrem Gefühl viele Talente frühzeitig erkannten, förderten und dabei berücksichtigten, in wessen Händen der jeweilige Nachwuchssportler aufwuchs.
Anders verläuft das Gespräch aber schon dann, wenn man dem betreffenden Rennfahrer konkrete andere Fragen stellt, wie:
- Gesamtkilometer und davon unterteilt in Umfang
a. November bis Wettkampfbeginn
b. nach Landesverbandsmeisterschaft bis Ende Juli
c. Restprogramm bis Oktober
- Anzahl von langen ( 120 - 150 km ) und überlangen ( über 150 km ) und Schwerpunkte
des Einsatzes dieses Grundlagenausdauertrainings
- Rundfahrteinsätze bzw. Wettkampfbündelung
- Umfang und Gestaltung des allgemeinen Krafttrainings( im Kraftraum ) und des
speziellen Krafttrainings ( Kraft mit Rad ) am Berg und im kraftausdauerorientiertem
Entwicklungsbereich ( KA - EB )
Es überrascht eigentlich immer wieder, wie gewissenhaft eine ganze Reihe von Sportlern ihr Trainingsbuch führen und nach einer kurzen Aufarbeitungszeit ihr Training auf diese Art reproduzieren können. Oft sind das auch Sportler, die garnicht so im Vordergrund stehen, während aus der Gruppe der " ab und zu erfolgreichen " Sportler öfters eine rechte Unordnung in ihren Trainingsbüchern erkennbar wird. Fast allen Kadersportlern ist eine gewissenhafte Trainings - und Wettkampfdokumentation zu bescheinigen - da sie diese Kennziffern meist auch ihren Auswahltrainern mitteilen müssen.
Völlig anders ist die Situation im Bereich der Kenntnis und der Arbeit mit den leistungs-physiologischen Daten. Immer wieder fehlt in den Aufzeichnungen
- die Tretfrequenz und Übersetzung bei wichtigen Trainingsbereichen wie EB,SB
- die konsequente Kontrolle und Aufzeichnung der Herzfrequenz
- die regelmäßige Registrierung des Ruhepulses
- Gewichtskontrolle vor und nach langen bzw. überlangen TE bzw. in Südtrainingslagern .Ist es dann nicht verwunderlich, das zum Themenkomplex " Leistungsdiagnostik "
die Antworten noch bescheidener sind ?
Deshalb ergeben sich folgende Fragen:
- Werden regelmäßig leistungsphysiologische Untersuchungen durchgeführt ?
und wenn ja - wie sehen diese Test`s in der Durchführung aus
oder wird nur der Stufentest realisiert ?
- wie erfolgt die Auswertung der Testwerte und ihre Umsetzung in den Ausbildungs-
prozeß ?
- wie sind die Übungsleiter, Heimtrainer dabei integriert und in welcher Form erfolgt
eine Rückkopplung mit den Testeinschätzern ?
Da zum obigen Komplex, zumindestens aus meiner Sicht, Informationsbedarf für die Übungsleiter besteht, habe ich nachstehenden Artikel erarbeitet.
1. Leistungsdiagnostik in den Bereichen des BDR
Auswahlkader eines Landesverbandes von U 23 bis zum Jugendfahrer absolvieren mindestens 2 x im Jahr einen Stufentest. Je nach Landesbedingungen werden auf radsportspezifischen Testgeräten weitere Fähigkeiten wie Motorikpotential, Maximal - bzw. Schnellkraftvermögen überprüft ( diese Möglichkeit hatte Bayern bisher nicht). Nationalmannschaftskader durchlaufen eine umfassendere Testung, die " Komplexe Leistungsdiagnostik " ( Kurzform KLD ) wie sie in Freiburg und Frankfurt/M und in einigen OSP auf hohem Niveau erfolgt. WM - Kader durchlaufen 3 - 5 x im Jahr die KLD.
Auch die jüngsten Auswahlkandidaten - der Unterbau der 15/16 jährigen - werden zumindest 2 x im Jahr ob ihrer Talentbefähigung in leistungsdiagnostischen Zentren des BDR überprüft. Damit ist in Deutschland ein gewaltiges Wissenspotential über die Leistungsfähigkeit von Spitzenkadern bis hin zu den jüngsten Auswahlkadern vorhaEine hervorragende übergreifende Studie erarbeitete der BDR in den Jahren 1994 - 96 unter der Leitung des Verbandsarztes Dr. Huber/ Freiburg und des verantwortlichen Honorar-Bundestrainers des Unterbaus H. Mühlfriedel/ Kaiserslautern. In einem Langzeit-projekt wurden 14 - 16 jährige Auswahlsportler zielgerichtet getestet. Die Ergebnisse wurden der UCI übergeben und stehen allen nationalen Verbänden zur Verfügung. Somit sind Orientierungen über die leistungsdiagnostischen Entwicklungsraten in diesem Altersbereich erstellt worden.
In der Grafik 1 werden beispielhaft 4 Entwicklungsdaten ausgewählt. Natürlich wurden weit mehr Parameter erfaßt, aber diese Grafik soll ja auch nur Interesse erwecken für diejenigen, die sich damit intensiver beschäftigen wollen.
Grafik 1 Entwicklungsdaten 14 bis 16 jähriger BDR - Auswahlkader in den
Parametern Körpergröße, Körpergewicht, Ruhepuls und Leistung bei Laktat 3
( je Altersklasse 10 männliche Kader )








Interpretation:
Obige Auswahlkader sind im Durchschnitt mit 14 Jahren 1.75m groß und wiegen 64 kg.
Mit 16 Jahren sind sie um 2 cm gewachsen und haben nur um 2 kg zugelegt. Die Ober- und Untergrenzen werden durch die Pfeile symbolisiert. Auffallend und typisch für den Ausdauerbereich des Radsport ist, daß die Jugendlichen zwar größer werden, aber in der Auswahl in der Gewichtsuntergrenze bei 60 kg bleiben. Sie werden "drahtiger", das Unterhautfettgewebe verringert sich.
Die Ausdauerentwicklung läßt sich mit den Parametern Ruhepuls und Leistung bei Laktat 3 im Stufentest festhalten. So sinkt der Mittelwert im Ruhepuls von 92 P/min bei 14 jährigen auf 80 P/min bei 16 jährigen Rennfahrern. Die Spitzenwerte liegen im 2. Jugend-jahr um die 55 P/min und erreichen damit Werte , in die manche Rennfahrer erst mit 18/20 Jahren kommen. Hierin drückt sich die Ökonomisierung im Ausdauertraining augenfällig aus. In der Leistungsfähigkeit in Watt bei Laktat 3 im Stufentest steigt das Durchschnitts-ergebnis von 230 auf 270 Watt. Da dies Ergebnisse von Auswahlfahrern sind, wird auffäl-lig, daß bei den 16 jährigen das Minimalresultat bei 220 Watt liegt, aber die Besten schon
300 Watt überbieten. Viele Männerrennfahrer wären sehr mit dem Ergebnis von 300 Watt bei Laktat 3 zufrieden, aber die Beispiele stammen von 15/16 jährigen. Von systemati-scher Nachwuchsarbeit kann man aber nur sprechen ,wenn sich diese Ausdauerleis-tungen auch weiter fortsetzen. Bei den KLD `s der NM Junioren Ausdauer männlich ist dies auch nachweisbar, wobei hier im Jahresverlauf periodische Schwankungen ent-sprechend der Trainingsschwerpunkte eine bedeutendere Rolle spielen. Nicht zuletzt zeigen die Ergebnisse bei den Junioren/Weltmeisterschaften, daß die deutschen Junioren die Weltspitze mitbestimmen. Somit kann man zurückfolgern:
"wenn junge Rennfahrer mit 14 - 16 Jahren in die vorgenannten und besseren Werte hineinkommen, bestehen gute Chancen für eine kontinuierliche Ausdauerentwicklung".
Die effektivsten radsportspezifischen leistungsdiagnostischen Testverfahren
Bei der Vielzahl der Testparameter kristallisieren sich zur Trainingssteuerung und zur Leistungsbeurteilung 3 Verfahren mit ihren jeweiligen spezifischen Aussagen für den Radsport - Ausdauerbereich heraus:
Motoriktest
Test zum Krafteinsatz im Bewegungsvollzug
Stufentest
Die Ergebnisse dieser Test´s kann man natürlich isoliert betrachten, sozusagen als Istzustand. Umfassender und trainingsmethodisch sinnvoll ist die Einbettung dieser Daten in die Spezial - und Detailleistungen im Wettkampf, in die Zeitfahren auf der Bahn und der Straße, in die Berganleistung und die Beziehungsherstellung zu den entscheidenden Wettkämpfen zur Auswahlbildung oder zu den Wettkampfhöhepunkten.
Dazu gehört eben auch die Berücksichtigung der Trainingsleistungen durch Umfangs-
erfassung der Trainings - und Wettkampfbereiche.
1.1 Motoriktest
Der Motoriktest wird über 6 s mit maximal möglichen Tretfrequenzen durchgeführt. Die Belastung ist alaktazid, so daß zur genaueren Feststellung 2 Wiederholungen sich in der Praxis bewährt haben, wobei das beste Ergebnis verwendet wird.
Auf Grund der Messungen dieses Test`s seit 1984 in der NM Bahn der DDR und ab 1990 in den NM Nachwuchs und Spitze in Deutschland läßt sich nachstehende Skala erstellen. Untersuchungen der Jahre 1997/1998 bei ehemaligen Radrennfahrern, Hobby -, C - und
A - Klasse Fahrern und Volkssportlern ( allgemeine Ausdauerkurse ) vervollständigen die Angaben. Die Ergebnisse weiblicher Personen, außer NM, sind nicht ausreichend für gesicherte Aussagen.

Tabelle 1 Einordnung des maximalen Tretfrequenzvermögens auf dem
ungebremsten Sprint - Ergometer

männlicher Bereich Maximale Umdrehungen weiblicher Bereich auf Sprintergometer (U/min)
____________________________________________________________________

Ausnahmesprinter wie Heßlich, Fiedler  über 270

Weltspitzensprinter  260 - 270
Anschlußbereich Sprint/1000m 250 - 260
schnellste sonstige Bahnfahrer 240 - 250  Weltspitzensprinterinnen
durchschnittl. NM - Bahnfahrer 230 - 240 Anschlußbereich Sprint
Straßensport - Spurter 220 - 230 Weltspitze Ausdauer Bahn
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
ehemalige Bahnfahrer bis 60 Jahre,
schnelligkeitsbefähigte Sportler
auch aus anderen Sportarten  210 - 220 schnelle Rennfahrerinnen
Durchschnittsleistung Radsport
_______________________________________________________________________
Grenze zu Schnelligkeitsleistungen  200 - 210  Grenze zu SN - Leistungen
Auswahlkriterium Auswahlkriterium Nachwuchsprogramm Radsport Nachwuchsprogramm Rad

Rennfahrer mit koordinativen Schwächen 190 - 200 Durchschnittsleistg. Radsport
Hobbyfahrer
Fitnisssportler 180 - 190 Hobbyfahrerinnen
170 - 180 Fitnisssportlerinnen
Werden die Bereiche 160 - 170 U/min nicht erreicht, dann liegen meist koordinative Störungen vor, die die unterschiedlichsten Ursachen haben.
Welche methodische Konsequenzen haben die getesteten Tretfrequenzwerte ?
- Im Nachwuchsbereich dient die Messung der max. Tretfrequenz vorallem der Talent-erkennung für den Kurzzeitbereich, dem Bahnbereich und dem Geländeradsport( MTB ).
- Im Nachwuchs- und Hochleistungssport Kurzzeit und Bahn Ausdauer ist die Ausprägung
hoher Bewegungsfrequenzen ein leistungsbestimmendes Fähigkeitsmerkmal. Werden
zu den entsprechenden KLD - Untersuchungen größere Abweichungen festgestellt,
dann liegen meist methodische Versäumnisse vor oder die nerval - muskuläre Ansteu-
erung ist zeitweilig gestört ( z.B. ungenügende Erholung, Störung des Verhältnis von
Kraft - und Schnelligkeitsarbeit, psychische Probleme )
- In den Übergangsbereichen von Junioren zu Männern ( ebenso im weiblichen Bereich ),
als auch nach 2- 3 Jahren in der höheren Klasse werden durch den Einsatz höherer
Gänge oft koordinative Rückgänge festgestellt. Sie können eine weitere Leistungsent-
wicklung blockieren. Durch gezieltes motorisches Training können diese Fehlentwick-lungen, sofern sie erkannt werden, auch korrigiert werden.
1.2 Test`s zum Krafteinsatz im Bewegungsvollzug
Für die Einschätzung der Kraftfähigkeiten werden in den Nationalmannschaften mehrere
Testverfahren eingesetzt - Kraftleistungen im allg. Kraftbereich ( Kniebeuge mit Hantel )
- Max. Druck - und Zug auf speziellem Gerät
- 6 s Test bei voller Last bei 60/ 80/100/120/140 U/min
Aus dem letzten Test werden bei mobilen KLD - Untersuchungen die Krafteinsätze bei
60, 90, 120 U/min über 6 s ermittelt. Dabei sind repräsentativ für
60 U/min die maximalen Kraftvoraussetzunge bei Antritt und am Berg
90 U/min die eingesetzten Kräfte in der durchschnittlichen Tretfrequenz
120 U/min die verfügbaren Kräfte für das Zeitfahren, für alle Bahndisziplinen und
das Sprintvermögen
(im Bahnbereich deshalb auch Untersuchungen bei 140 U/min)
Auf Grund der langjährigen Untersuchungsergebnisse lassen sich folgende Leistungen zu
Qualitätsnormen einordnen:

Tabelle 2 Maximale Schnellkraftleistung

männlicher Bereich Wattleistung weiblicher Bereich _____________
absolute Weltspitze Kurzzeit 2000
internationale Spitze Kurzzeit 1800
Anschlußbereich Kurzzeit 1600
Weltspitze Verfolgung 1500 absolute Weltspitze Sprinterinnen
NM Verfolgung 1400
Spitze Straßenrennsport 1300 Weltspitze Sprinterinnen
 internationaler Radrennsport 1200 Weltspitze Kurzeit
NW Zeitfahrtalente/ Bolzertypen 1100 NM Kurzzeit___________________
 Leistungsvermögen 1000 Weltspitze Ausdauer Zeitfahren
Rennsport A,B,C - Fahrer
Leistungsvermögen Jun/Jgd 900  Zeitfahrtalente
fehlende Kraftfähigkeiten 800  Leistungsvermögen NM Ausdauer
700 Leistungsvermögen Jun/Jgd Aus
600 fehlende Kraftfähigkeit

Durch diese Wertungsskala sind Orientierungen für die Disziplinen und Kaderkreise gesetzt. Logischerweise gibt es Schwankungen im Jahresverlauf entsprechend des Trainingsmittelseinsatzes. Der jeweilige Bestwert in Watt - auch als optimale Tretfrequenz bei Maximalkraftleistung in der Bewegung gekennzeichnet - wandert z.B. im Sprint von
115 U/min im Winter zu 130 U/min in der UWV. Im Straßenbereich ist dieser Bewegungsspielraum relativ geringer.
Welche methodischen Konsequenzen haben die ermittelten Wattleistungen auf den einzelnen Frequenzstufen ?
- Dieser Test ermöglicht Aussagen, über die Leistungscharakteristik des jeweiligen
Sportlers bzw. der Sportlerin. Damit kann die Eindrucksanalyse des Trainers bestätigt
oder korrigiert werden. Im Zusammenhang mit dem Motoriktest erfährt der Rennfahrer
die Struktur seines Pedalierens.
- Die enge Beziehung zu den Kraftfähigkeiten in diesem Test gibt trainingsmethodische
Hinweise sowohl zum Wintertraining als auch während der Wettkampfsaison.
Leistungsfortschritte, aber auch Stagnation und Rückgang lassen sich recht klar fest-
stellen.
- Innerhalb von Trainingsgruppen oder Mannschaften ( z.B. Bundesliga U 23 )
ergeben sich auf Grund der unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen Differen-
zierungen, die die Individualisierung des Trainings verbessern und auch in renntak-
tischen Aufträgen sich niederschlagen können.
- Eindeutig kristallisiert sich die Befähigung zum Zeitfahren heraus.
Bei der Interpretation der Testleistungen ist das jeweilige Körpergewicht und das Verhältnis zur Körpergröße zu berücksichtigen.
1.3. Stufentest
Zur Ermittlung der Ausdauerleistungsfähigkeit ist der Stufentest das gebräuchlichste
Testverfahren. Im BDR wird die Leistung um 20 Watt aller 3 min gesteigert, in der
mobilen KLD wurde diese Vorgabe leicht verändert auf 25 Watt pro 3 min. Die wesentlichsten Parameter sind:
- Die Höhe der erbrachten Leistung auf dem Fahrradergometer in der Fahrzeit in Watt und die dabei erreichte maximale Herzfrequenz und das maximale Laktat.
Durch die fortlaufende Registrierung ergibt sich eine Verlaufskurve der Herzfrequenz und des Laktatverhaltens = Laktatleistungskurve.
- Aus diesen Verlaufskurven ergeben sich zwei leistungsdiagnostische besondere
Merkmale - der Durchgang bei Laktat 3 als Kennzeichnung der aeroben Grundlagen - ausdauer und der Aufenthaltszeitraum zwischen Laktat 3 bis 7 als Kennzeichnung der Ausprägung der aerob - anaeroben Schwelle ( z.B. wichtig für Zeitfahrer ).
- Wird die max. Leistung und die Leistung bei Laktat 3 in Beziehung zum Körpergewicht gebracht, können die so ermittelten Quotienten den Ausprägungsgrad der Ausdauer-
leistungsfähigkeit charakterisieren.
In der Leistungsdiagnostik haben sich folgende Daten als Wertskala herausgebildet:
Tabelle 3 Einordnung der Ausdauerquotienten nach Leistungsfähigkeit im
Radsport
bei maximaler Ausbelastung in sportmethodischen Test`s wie Conconi oder Stufentest

Männer Watt / kg / Körpergewicht Frauen
___________________________________________________________________

absolute Weltspitze über 6.5
wie Pantani (7.1), Ullrich(6.8)
Weltspitzenfahrer 6.0
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Elitefahrer 5.5 - 5.9 absolute Weltspitze
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------
qualifizierte - Rennfahrer
gute Nachwuchs - Fahrer 5.0 - 5.4 Weltspitzenfahrerinnen
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
 Rennfahrer 4.5 - 4.9 qualifizierte Rennfahrerinnen
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Hobbyfahrer 4.0 - 4.4  Rennfahrerinnen
Gelegenheitsfahrer 3 - 3.9 Hobbyfahrerinnen
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
meist übergewichtige, meist übergewichtige,
wenig ausdauergeübte, unter 3 wenig ausdauergeübte,
passive gesunde Männer passive gesunde Frauen

Werden keine 4 Wattstufen ( 175 Watt ) beim Ergotest erreicht, ist von einer physisch eingeschränkten sportlichen Bereitschaft auszugehen. ( Vergleiche auch Tabelle von
Nürscheler - Bern/Schweiz)

Grafik 2 Stufentest eines erfolgreichen Straßenrennfahrers

Dazu wird ein Beispiel eines erfolgreichen Straßenrennfahrers mit guter Grundlagen-
ausdauer in der Grafik 2 gegeben. Dieser Sportler absolvierte im Dezember und Anfang
März nach dem Südlehrgang jeweils den Stufentest. Deutlich ist eine positive Rechtsver-schiebung sowohl in der Herzfrequenz als auch im Laktatverhalten erkennbar. Zu diesem Zeitpunkt wurden noch keine Straßenwettkämpfe absolviert, so daß die Kurvenverläufe relativ die gleichen Verläufe haben. Die Quotienten - Dez. zu März = 4.9 zu 5.4. Am meisten fällt die Ökonomisierung des Herz - Kreislaufes auf, wo sich der Durchgang bei Laktat 3 von 166 P/min auf 155 P/min senkt. Der Zuwachs in der maximalen Leistung verändert sich von 375 Watt auf 425 Watt.
Für diesen Sportler ergibt die Aussage der KLD sehr gute Voraussetzungen für die
Frühjahrsrennen. Dies trat dann auch, sogar besser als erwartet, ein.
Welche methodischen Konsequenzen haben die Stufentest - Ergebnisse ?
- Es wird der Istzustand der Ausdauer und Kraftausdauer ersichtlich.
- Innerhalb einer Gruppe, Mannschaft, eines Auswahlkreises können durch die
Ausdauerqotienten max. Leistung und bei Laktat 3 Vergleiche zum Ausbildungsstand
und zur Wirkung des Trainings gezogen werden.
- Die Aussagekraft erhöht sich um das Mehrfache, wenn im Winterzeitraum und während
der Frühjahrszeit Vergleichs - KLD`s absolviert werden.
- Noch günstiger für eine systematische Trainingsarbeit sind die Langzeitvergleiche, also
die gleichen Zeiträume vom Vorjahr zum laufenden Jahr. Dabei sind aber zur Interpreta-
tion unbedingt die Trainings - und Wettkampfwerte der abgelaufenen Perioden
heranzuziehen.
- Mit dem Stufentest erhält der Sportler/Trainer vertiefte Aussagen über den Stand der
Grundlagenausdauer. Im obigen Beispiel ist ein sehr langer flacher Verlauf der
Parameter unter Laktat 3 ersichtlich. Dieser Sportler absolvierte viele lange G1 - TE im
extensiven Bereich. Eine trainingsmethodische Steigerung war durch die Aufnahme der
Straßenwettkämpfe zu erwarten, was dann auch eintrat.
- Verfügt das Interpretations - Personal der KLD über umfassendes radsportspezifisches
Wissen, dann können auch die Ergebnisse und Leistungskurven in bisher ermittelte
Standards eingeordnet werden, dann ist es auch besser möglich, individuelle
methodische Hinweise den Rennfahrern zu geben. Dazu ist es aber auch notwendig,
daß die untersuchten Sportler sehr ehrlich Angaben zu ihrem Training machen und nicht
dem Trainer Fantasiezahlen nennen, die überhaupt nicht mit den getesteten Befunden
übereinstimmen können.
Es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang von geleisteter Trainingsarbeit und den leistungsdiagnostischen Ausdauerdaten. In der Grafik 3 wird dieser für den Bereich Leistungsklasse männliche Junioren und Amateurrennfahrer A bis C an einem Beispiel dargestellt. Es werden mit Absicht die Umfänge des reinen Wintertrainings ab 1. Novem-ber bis Anfang März vor den Südlehrgängen ins Verhältnis zu dem Ausdauerquotienten bei maximaler Ausbelastung im Stufentest gesetzt.
Bei rund 4000 Trainingskilometern ist als Mittelwert des Ausdauerquotienten von 4.5 zu erwarten. Nur wer in diesem obigen Leistungsbereich, Junioren - Bundesliga und Männer
A bis C, deutlich mehr trainiert hat, kann auch mit einem besseren Quotienten rechnen.
Es hilft also nur bedingt, wenn man im Frühjahrstrainingslager unangemessene hohe Umfänge " schrubbt ", denn dieser Belastungsstoß basiert auf einem " schwammigen " Fundament und die gehoffte und eingetretene Formverbesserung ist leider nicht von Dauer. Grafik 3 Zusammenhang von Umfang November - Anfang März zum Ausdauerquotient
der maximalen Leistung im Stufentest ( N22)


2. Die mobile KLD als methodische Hilfe für Sportler, Vereine und Mannschaften
In den obigen Ausführungen wurde dazu Stellung genommen, daß Auswahlkader der Landesverbände und der Nationalmannschaften in einem meist sehr guten KLD - System
erfaßt sind und eine dementsprechende Betreuung erfahren.
Was passiert aber mit den hunderten von Nachwuchsfahrern und Rennfahrern der allgemeinen Leistungsklassen ?
Hier besteht ein besonderes Defizit! Diese " Marktlücke " besetzen immer mehr leistungsdiagnostische Einrichtungen, die für viel Geld ebenfalls Stufentest`s und diverse Krafttest`s für leistungsorientierte Sportler anbieten. Trotzdem kann man nur bei einzelnen von einer radsportspezifischen KLD sprechen ( z.B. bei Dr. Kettmann/Dr. Hirsch
in Witten oder bei Prof. Junker in Leipzig ). Zu diesen Einrichtungen muß man hinfahren und da diese modernst ausgestattet sind, lohnt sich der finanzielle, zeitliche und organisatorische Aufwand auch.
Für viele ist dies aber nicht machbar.
Aus diesem Grunde wurde, angeregt von Dr. Lychatz, damals noch als Bundestrainer, langfristig mit der Firma Aviantronic - Leipzig ( Hersteller der ehemaligen Richtergeräte ) ein mobiles KLD - System entwickelt.
Dieses KLD - System hat 1997 und 1998 seine Feuertaufe bestanden und die logischer-weise immer auftretenden Probleme sind auch durch die Praxistestung behoben worden.
Welche Überlegungen haben damals( 1996 ) dazu geführt, diese Gerätesysteme
anzuregen?
Wenn man die Qualität der Radsportausbildung der jungen Sportler, aber auch der langjährig Traininierenden ( über 5 Jahre ) anheben will, dann muß man auch die Rahmenbedingungen verändern.
So ist es wesentlich, den Leistungsstand zu objektivieren. Nicht nur nach den Wettkampf-ergebnissen, sondern auch nach dem Stand der Grundfähigkeiten und ihrer Entwicklung. Gelingt dies, dann kann der Übungsleiter und Trainer mit seinen Athleten wachsen. Seine Trainingsmethoden werden fundierter, da sie kontrollierbarer werden. Diesen Lernprozess machen dann Sportler und Trainer durch. Die einmal " Aufgefallenen ", die Besten der 15 - 17 jährigen, entwickeln sich in einem bewährten, sehr guten System der Nachwuchsent-wicklung des BDR. Aber was wird mit denen, die zum damaligen Zeitpunkt noch nicht soweit waren ? Sie blieben und bleiben auf der Strecke, wenn sie nicht bei allem Fleiß auch ein bißchen Glück haben.
Aber der Radsport ist leider auch eine Sportart, wo der Leistungsdurchbruch oft erst mit 18 oder 20 Jahren erfolgen kann. Deshalb wurde auch von Dr. Lychatz und anderen so vehement gekämpft, den D/C - Kader bis zum 20. Lebenjahr auszudehnen.
Aber es fehlte ein wichtiges Glied - die KLD für die große Masse - für die vergessenen Talente, Spätentwickler und Spätzünder, die diese in die Leistungslinie hineinlotst und für viele eine persönliche Leistungsentwicklung begleitet.
Insofern stellt die Altersklasse U 23 eine neue und notwendige Entwicklungsperspektive!
Was sind die Vorteile dieser mobilen KLD für den Radsport bzw. die Disziplin Rad im Triathlon ?
- Das Untersuchungsteam kommt in die Region, in den Verein. Damit verringern sich die
organisatorischen Probleme für die Untersuchten erheblich. Überall finden sich geeigne-
te Untersuchungsräume, die luftig und warm sind.
Die KLD findet meist Freitag Nachmittag/Samstag/ evtl. wenn die Anzahl der Sportler sehr groß ist, auch Sonntags statt
- Es werden Sportler untersucht, die sich meist durch gemeinsames Training auch von ihrer Leistungsfähigkeit her kennen, zumindest aber von den Wettkämpfen in der Region.
Dadurch entsteht eine engere Beziehung und Verwertbarkeit zu den erhobenen Werten, die Vergleichbarkeit der Grundlagenfähigkeiten unter diesen Sportlern stellt einen unschätzbaren Wert dar, der wiederum motivierend wirkt.
- Es werden 3 Test`s absolviert, die radsportspezifisch sind. In sonstigen Untersuchungs-zentren ( außer denen im Leistungssport ), wird meist nur der Stufentest angeboten. Aus Kostengründen wird dieser dann auch noch mit unterschiedlichen Verfahren durchgeführt
( z.B. 4 min, 50 Watt Steigerung ), die eine Einschätzung in den niedrigen GA - Stufen erschweren.
- Die Interpretation erfolgt radsportspezifisch. Auch in den trainingsmethodischen Empfehlungen, also nach EB,KmR,Umfang, Art der Gestaltung des GA - Trainings, der notwendigen Übersetzungen u.a.m. wird die Radsportsprache verwendet.
- Auch nach der KLD ist die Kommunikation mit den Verfassern der Trainingsempfehl-ungen gesichert bzw. kann dies mehrfach direkt erfolgen (z.B. bei bestimmten Wettkämpfen).
- Die Untersuchung wird auf dem eigenen Rennrad durchgeführt, das in das Geräte-system integriert wird. Besonders in den Endphasen des Stufentest schwingt es im
Cyclus 2 - System entsprechend des Körpereinsatzes mit und ist nicht so starr wie die sonstigen Laborgeräte.
- In den bisherigen Praxistest`s erscheinen immer wieder Renner, die seit Jahren Wettkampfradsport betreiben, aber noch nie oder vor Jahren einen Stufentest absol-
viert haben. Die Gründe sind meist Hemmungen, sich lächerlich zu machen, mangelndes Vertrauen zu den Testpersonen oder organisatorisch/finanziell bedingt. In der mobilen KLD sind solche Vorbehalte zumeist geringer.
- Die Talenterkennung bei den 12/14 jährigen erfolgt auf einem völlig neuem Niveau.
Es hat sich herausgestellt, daß es nicht sinnvoll ist, den Stufentest bei Schülern unter 14
Jahren abzutesten. Dafür sind der Motorik - und Krafttest in der Bewegung sehr geeignet.
- Die Untersuchung in den 3 Test`s kostet 70.- DM, im Vergleich zu 250.- bis 300.- DM in den Instituten ( Talentsichtungen davon50 % ). Der Veranstalter übernimmt die Unterkunft, Raumkosten und unterstützt durch personelle Hilfe.

Nachteile der mobilen KLD
- Es wird keine Erfassung der Sauerstoffaufnahme durchgeführt. Dies wäre für Spitzen-
athleten schon ein besonderer Nachteil, für den beabsichtigten Teilnehmerkreis aber nicht generell wichtig.
- Die gesamte Untersuchung ist nicht professionell wie in einer sportmedizinischen Einrichtung. Im Prinzip dient sie dazu, daß sich Landesverbände bzw. Radsportbezirke eines Tages selbst die Untersuchungsbasis anschaffen und dann ihre Sportlerkader selbständig überwachen können.
- Da ein Einsatz bisher nur an den Wochenenden erfolgen konnte, ergeben sich zeit-
weise Terminschwierigkeiten durch das Team. Entweder sind besondere Wochenenden
( wie im April ) ausgebucht oder das Personal anderweitig im Sport eingesetzt.
Abschluß
Es zeigt sich, daß der Radsport - Alltag auch in Bewegung gesetzt werden kann.
Wenn im BDR seit Jahren viel Kraft in eine bessere Ausbildung und Qualifizierung gesteckt wurde, dann ist die Konsequenz, daß diese besser ausgebildeten Übungsleiter und Trainer auch mit qualifizierteren Mittel und Methoden die Ausbildung forcieren. Ob dies immer gelingt, ist von vielen Bedingungen abhängig.
Mit der Firma Aviantronic wurde ein Partner gefunden, der sowohl ein leistungsfähiges Trainingsergometer als auch ein umfassendes KLD - Ergometer in Zusammenarbeit mit dem Radsport fertigte. In der Untersuchungspraxis wurden 1998 die Einsatzbedingungen getestet und vervollkommnet. Jetzt ist es an den Leistungszentren, Regionen und Vereinen, die sich eröffnenden Möglichkeiten zu erproben und, falls sie sich für ihre Bedingungen bewähren, auf Dauer zu nutzen.


Frankenwald Tourismus
© 2004 radsport-forum.de  |  radsport-forum.de Archiv
  zum Seitenanfang