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23.06.2008

6. Holzkirchner Radsport-Festival: Der RSLC ruft – Paralympiker und Hobbyfahrer kommen

 
Holzkirchen verwandelte sich am Samstag, 21. Juni 2008, wieder einmal in eine riesige Radsport-Arena. Am 6. Holzkirchner Radsport-Festival nahmen gut 200 Aktive aus 14 Ländern teil, von den Handicap-Fahrern der Spitzenklasse aus aller Welt bis zu den Hobbyfahrern aus dem Landkreis Miesbach. Auf dem neuen zwei Kilometer langen Rundkurs wurden insgesamt fünf Rennen ausgetragen. Auch abseits der Strecke stand das Rad im Mittelpunkt. Unzählige Zuschauer feuerten die Athleten an, während vor allem Kinder und Jugendliche bei Geschicklichkeits-wettbewerben und Einrad-Sprints ihr Können auf zwei Rädern unter Beweis stellten.
b 127 Paralympiker aus 14 Ländern am Start
Nach der Radsport-Nacht der vergangenen Jahre hatte der veranstaltende RSLC Holzkirchen diesmal das Radsport-Festival ausgerufen. Aus dem Bürgerfest wurde ein Radsport-Fest – mit neuem Rundkurs, gestrafftem Programm und klarer Fokussierung auf zwei Räder. Der RSLC rief... und die Aktiven kamen. Von den gut 200 Nennungen kamen allein 127 von den Sportlerinnen und Sportler mit Handicap, die abhängig vom Grad ihrer Behinderung in verschiedenen Klas¬sen starteten. Vor allem für die deutschen Teilnehmer war der Start in Holz¬kirchen die letzte Gelegenheit, Qualifikationspunkte zu sammeln und sich damit die Teilnahme an den Paralympischen Spielen in Peking im September zu sichern. So reisten Paralympiker aus 14 Ländern nach Holzkirchen, darunter viele mehrfache Weltmeister und Europameister und Paralympics-Sieger. Einige Länder traten gleich mit der kompletten Nationalmannschaft an. Alle boten hoch¬karätige Leistungen und spannende Rennen, die zumeist in einem Wimperschlag¬finale endeten.
b Neue Zwei-Kilometer-Schleife
Für die Zuschauer bot die neue Zwei-Kilometer-Schleife mitten durch den Ort deutlich mehr Spektakel und Abwechslung als die alte 600 Meter lange Bahnhofs¬runde. Für die Athleten brachte sie durch die 180-Grad-Wende kurz vor dem Oskar-von-Miller-Platz und die Senke auf der Münchner Straße eine zusätzliche technische Schwierigkeit und vor allem sich Runde für Runde aufsummierende, kraftraubende Höhenmeter. Zentraler Anlaufpunkt war wieder das Bahnhofsareal mit dem Start- und Zielbereich an der Münchner Straße, wo auch die meisten Zuschauer hinter den Absperrgittern mitfieberten. Auch das Wetter ließ die Organisatoren vom RSLC diesmal nicht im Stich. Kein Wölkchen trübte am Samstagnachmittag den strahlend blauen Himmel.
b Buntes Feld aus Tandems und Jugendlichen
Um Punkt 14 Uhr fiel der Startschuss zum ersten Rennen für blinde und sehbe¬hinderte Tandemfahrer. Eine Minute nach den Tandems wurden die jugendlichen Hobbyfahrer der Klassen U13, U15 und U17 und die Damen aus dem Landkreis auf die Strecke geschickt. Die Tandem-Teams beeindruckten wie bereits am Freitag mit ihrer Wendigkeit und ihrer hohen Geschwindigkeit. Die Spitzenfahrer düsten mit Tempo 70 durch die Senke in Richtung Bahnhof. So bildete sich schnell ein buntes Feld aus Tandems und Hobbyfahrern. Am Ende gab es bei den Tandems einen klaren Sieger. Das polnische Duo Piotr Lozynski/Piotr Czopek erreichte das Ziel mit einer guten halben Minute Vorsprung vor den Landsleuten Zaja/Flak. In bestechender Form auch Henrike Handrup und Ellen Heiny im deutschen Meistertrikot. Ellen, die vorne sitzende Pilotin, steuerte ihre sehbe¬hinderte Mitfahrerin sicher durch die 12 Runden: „Ich gab Kommandos vor jeder engen Kurve und allen Anstiegen.“
Bei den Hobbyfahrern errangen nicht nur die Damen (Sen II), sondern vor allem die U15-Mädchen des RSLC Holzkirchen einen Dreifacherfolg und sorgten so dafür, dass das Landkreis- und Vereinsmeisterschaftspodium identisch war. Lisa Marie Wilmsmann, Lisa Lechner und Tamara Seufert, vor dem Rennen „schon ein bisschen nervös“, fuhren gemeinsam an der Spitze und belegten die ersten drei Plätze in der Klasse U15. Lisa Marie hatte wie zuletzt schon einmal eine Reifen¬breite Vorsprung vor Lisa, die ein klein wenig enttäuscht meinte: „Ich glaub, ich hab etwas zu früh zum Zielsprint angesetzt.“ Bei den Buben gingen die Klassen U13 und U15 ebenfalls an die Blau-Gelben, während der Wörnsmühler Markus Pötzinger bei der U17 in beeindruckender Manier auch den zweiten LKM-Lauf gewann – genauso wie seine Vereinskameradin Waltraud Baumgartner bei den Seniorinnen I.
b Spannender Dreikampf beim Hobbyrennen
Auch das zweite Rennen des Tages ging in die Wertung der Landkreismeister-schaften für Hobbyfahrer ein. 55 ambitionierte Hobby-Rennradler gingen gemein¬sam mit fünf Firmen- und Behörden-Teams an den Start. Schnell bildete sich eine aus etwa 20 Fahrern bestehende Spitzengruppe, aus dem immer wieder ein Fahrer abreißen lassen musste, so dass sich nach und nach ein großes Verfolger¬feld bildete, während einige um Anschluss an das eine bzw. andere Feld kämpften. An der Spitze leistete Martin Reisner lange Zeit Führungsarbeit, In der entscheidenden Rennphase setzte sich dann ein Trio mit Christian Kluy, Harald Radl (beide SC Wörnsmühl) und Anton Matthis (RSC Waakirchen) um ein paar Meter ab. Im Zielsprint hatte Matthis genau 4/100stel Vorsprung und gewann die Gesamtwertung sowie die Klasse Herren allgemein, während die älteren Kluy und Radl bei den Senioren I bzw. II den ersten Platz belegten. Lokalmatador Fritz Finkenzeller vom RSLC Holzkirchen wurde Vierter und damit zugleich RSLC-Vereinsmeister dieser Disziplin. Nicht alle kamen ins Ziel – einige mussten der Hitze Tribut zollen, andere aufgrund einer Panne aufgeben. Letzteres war vor allem für den Titelverteidiger Christian Frick bitter, weil ihm die Punkte aus diesem Rennen nun fehlen werden.
b Attraktion Handbiker
Eine besondere Attraktion waren im dritten Rennen die Handbiker mit ihren spektakulären High-Tech-Rennmaschinen auf drei Rädern. Sie trugen auf dem Zwei-Kilometer-Kurs einen Einzelzeitsprint über 8 Kilometer aus. Die Zuschauer feuerten natürlich vor allem die beiden Local Heros vom RSLC an: Norbert Mosandl bewies als Führender in der Europacup-Zwischenwertung seine blenden¬de Form und musste sich in der Gesamtwertung sowie in der Klasse HC C lediglich Norbert Koch vom PS Karlsruhe geschlagen geben. Der im Trikot des österreichischen Landesmeisters fahrende dreifache Handbike-Weltmeister vom RSLC, Elmar Sternath, lag in der Gesamtwertung auf Platz 5 und in der Klasse HC C auf Rang 4, haderte aber dennoch mit den Bedingungen: „Auf diesem Parcours habe ich gegen die ‚Kniefahrer’ ganz einfach keine Chance, denn die können auf den Steigungen einen ganz anderen Druck auf die Kurbel bringen und sind in engen Kurven wendiger.“ Erstaunlich der Grazer Manfred Putz, der sich mit dem 3. Gesamtplatz den Sieg in der Klasse HC B holte und wie bereits am Vortag die beiden HCC-Fahrerinnen Andrea Eskau (Magdeburg) und Monique van der Vorst (NL), die sich bei den Männern in den Top Ten bzw. Top 15 einreihten.
b Paralympiker mit Weltmeistern und Olympiasiegern
Auch die letzten beiden Rennen gehörten den Paralympikern. Kurzfristig wurden hier die Renndistanzen auf 40 bzw. 50 km heraufgesetzt, wodurch man sich auf dem engen und hügeligen Kurs seine Kräfte noch besser einteilen musste.
In Rennen 4 gingen die Fahrer mit dem stärkeren Handicap in insgesamt fünf Rennklassen gemeinsam an den Start. Auch hier wurde mit Haken und Ösen gekämpft. Lange Zeit blieb ein rund 10-köpfiges Feld zusammen mit allen Favoriten an der Spitze. Zwei Runden vor Schluss gelang dem Italiener Paolo Vigano ein Ausreißversuch. Mit gut 11 Sek. Vorsprung feierte er mit erhobenen Armen und geballter Faust den Gesamtsieg und den Sieg in der Klasse LC4, während die Verfolger zum Sprint ansetzten, in dem es um Zehntelsekunden ging. Der Tscheche Kvasnicka ersprintete sich den 2. Gesamtrang und den Sieg in der Klasse CP3 vor dem Briten Kenny Darren (ebenfalls CP3), der viel Leben in das Rennen gebracht hatte. Der Sieg in der Klasse LC3 (4. gesamt) ging an Tobias Graf. Dem Geburtstagskind Pierre Senska (LC4) wurde der erhoffte Sieg verwehrt. Zeitgleich teilte er sich Gesamtplatz 5 mit dem Venezolaner Garrido Marquez (LC3), in ihrer Klasse stiegen beide auf Platz 2 des Siegerpodests. vielfache Weltmeister und Paralympicssieger Michael Teuber, einer der Initia¬toren der IPC-Rennen (International Paralympics Comittee) in Holzkirchen, wurde undankbarer Vierter in der Klasse LC4. Teuber hält Paolo Vigano für den „stärksten Rivalen bei den Paralympics“. Er ging aus einer intensiven Woche mit Leistungsdiagnostik und Materialtests an den Start und war daher mit dem Ergebnis zufrieden. Ein starkes Rennen fuhr die Augsburgerin Natalie Simanowski (LC3), dreifache Goldmedaillengewinnerin bei der IPC-WM 2007 in Aigle mit Platz 13 im Gesamtklassement. Die Damen-Klassen LC2 und CP4 gingen an die Münchnerin Yvonne Marzinke und die Italienerin Silvana Vinci.
Auch im fünften und letzten Rennen des Tages waren mehrere Handicap-Klassen gemeinsam am Start. Hier konnten wir jedoch einen völlig anderen Rennverlauf beobachten. Schon ziemlich frühzeitig setzte sich ein Duo aus dem tschechischen Paralympics-Team vom Feld ab und machte letztendlich das Rennen unter sich aus. Der LC2-Fahrer Jiri Jezek, der sogar mit einem Fernsehteam angereist war, das ihn auf seinem Weg bis nach Peking begleitet, und der CP4-Fahrer Jiri Bouska fuhren ein einsames Rennen an der Spitze des Feldes, das Jezek im Sprint um eine gute Radlänge für sich entschied. Im Verfolgerfeld mit zehn Athleten wurde derweil bis zum Schluss taktiert: Innerhalb nur einer Sekunde sprinteten sieben Fahrer über die Ziellinie! Wolfgang Eibeck, der zweifache Paralympicssieger und sechsfache Weltmeister aus Österreich, holte sich den letzten freien Platz auf dem Gesamtsiegerpodest und damit zugleich den Sieg in seiner Klasse (LC3) vor den beiden Italienern Pierpaolo Addesi und Alession Borgato.
b Rahmenprogramm mit Geschicklichkeitsparcours und Einradsprint
Auch das Rahmenprogramm drehte sich voll und ganz ums Rad. Wer nicht auf der Strecke im Einsatz war, konnte sein Können auf zwei Rädern in zwei Geschicklichkeitsparcours unter Beweis stellen. Zahllose Kinder machten mit, fuhren um Hindernisse herum und angelten sich vom Rad aus verschiedene Gegenstände. Erstmals war auch ein Einradsprint im Programm. Rund 40 Kinder, vorwiegend Mädel, fuhren in verschiedenen Altersklassen auf einem 120 Meter langen Slalom-Parcours um die Wette. Am Ende hatte jeder gewonnen und die Wahl zwischen Preisen mit Bezug um Fahrrad: Trinkflaschen, Fahrradhand¬schuhe, Fahrradschläuche, Bücher und Mützen.
b Siegerehrungen und Showeinlagen auf der Showbühne
Zwischen den Rennen fanden auf der großen Showbühne die Siegerehrungen statt – aber nicht nur das. Wie von der Radsport-Nacht gewohnt, waren auch wieder Showeinlagen im Programm. Die Taekwondo-Kämpfer aus Holzkirchen, Stammgäste beim RSLC, durchschlugen auch in diesem Jahr wieder mit bloßen Händen und Füßen Bretter und Dachplatten. Und die Hip-Hop-Gruppe der Sportfreunde Föching brachte die Menschenschar vor der Bühne zum Swingen, während die Aerobics-Kids zum Aktivsein ermunterten.
b Reges Treiben auf Festival-Gelände
Reges Treiben herrschte auf dem Bahnhofsareal, das zum Festival-Gelände um¬funktioniert wurde. Am späten Nachmittag machten es sich hunderte Zuschauer unter weißen Zeltdächern gemütlich und genossen Gegrilltes und Bier (vom Oberbräu), Wasser und Sportgetränke (von Adelholzner), Kaffee und leckere selbstgemachte Kuchen, Fleisch-, Wurst- und Käsesemmeln (vom RSLC).
Im erstmals eingerichteten Radflohmarkt wechselten gebrauchte Räder und Teile rund ums Rad den Besitzer. Auto-Freaks konnten an den Ständen von Mercedes Schmid, Opel Steingraber und Mazda Niederl neue Modelle bestaunen. Großes Interesse, vor allem bei den zahlreich erschienenen Familien mit Kindern, fanden wieder die Vorführungen der Rettungshundestaffel. Vierbeiner kletterten über Leitern und Hängebrücken und zeigten, dass sie aufs Wort gehorchen. Nebenan beim Kinderschminken des Team Theaters Holzkirchen bildeten sich lange Schlangen und auf der Hüpfburg war kaum Platz genug für alle. Und bevor die Fußballfans aus dem Publikum sich vor den Fernseher zurückzogen, probierten sie ihre Treffsicherheit beim Torwandschießen aus.
Für den Radsport- und Laufclub Holzkirchen e.V. hat sich das neue Konzept bewährt. Die Organisatoren unter der Ägide von Pierrick Ethoin und Georg Smolka freuen sich vor allem darüber, dass die Rennen abgesehen von kleineren Stürzen ohne Unfälle und das Event insgesamt ohne Pannen abgelaufen sind und bei den Zuschauern Anklang gefunden haben. Der Dank des Vereins gilt allen freiwilligen Helfern, den beteiligten Gemeinden und natürlich den Sponsoren.

Alle Ergebnisse unter: www.rslc-holzkirchen.de

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