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24.03.2009 8. Frühjahrsmarathon 2009 des RC Herpersdorf - flotte Trainingsfahrt über 212 KMSchon traditionell bietet der Herpersdorfer Radverein mit seinem sportlichen Leiter Norbert Gömmel diese lange Ausfahrt eine Woche vor dem bayr. Rennauftakt an. Nachdem die bestens organisierten Gewalttouren der letzten Jahre schon fast Kultstatus erreicht haben, wurde diese Veranstaltung natürlich auch 2009 wieder durchgeführt.
Als einer der ca. 55 Starter am Sonntag, den 22.3.2009, möchte ich Euch kurz meine Eindrücke schildern.
Die Strecke ist eine nicht zu schwere Tour und ist 212 KM lang. Auf der Homepage des RC Herpersdorf formulierte Norbert Gömmel die Startvoraussetzung sehr treffend: Alle (auch Vereinsfremde), die sich zutrauen auf diese Distanz in der Gruppe einen guten 30er Schnitt zu fahren, sind herzlich willkommen.
Die Tour ist kein Rennen, sondern eine gemeinsame Trainingsfahrt mit erweitertem Teilnehmerfeld aus dem fränkischen Raum. Da am darauffolgenden Wochenende in Zusmarshausen die bayerische Rennsaison beginnt, kann bei dieser Ausfahrt jeder Rennfahrer nochmals seine Form testen.
Pünktlich um 9.30 Uhr ging es vom Vereinsheim des RC Herpersdorf in Nürnberg-Worzeldorf bei strahlendem Sonnenschein, aber noch kühlen Temperaturen, los. Neben Norbert Gömmel und seinem Herpersdorfer Team konnte ich bei den Startern u.a. Aktive des RC Wendelstein, RSG Lauf, RSC Fürth sowie aus weiteren nordbayerischen Vereinen erkennen, darunter auch 'Altmeister' Karl-Ludwig Rößlein, mit einigen Fahrern seiner im Frankenland bekannten 'Rößlein-Gruppe'.
Mir als 46-jährigen Hobbyradsportler mit meinem GIOS-Stahlklassiker und im blauen Nürnberger-Trikot ist schon am Start bewußt, dass der kräftige WNW-Wind heute ein teilweise lästiger Gegner sein wird. Ich muß versuchen, mich gut im Feld zu verstecken und den jungen Rennfahrern die Führungsarbeit zu überlassen, um an den exponierten Stellen auf der Windkante am Feld dranzubleiben.
Die ersten Kilometer in Richtung Schwanstetten, Pyrbaum und Neumarkt sind jedoch rückenwindunterstützt und während der flotten Fahrt in der Morgensonne wird mir trotz nur 6° Grad schnell warm und ich kann die langen Handschuhe ausziehen. Die breiten und am Sonntagmorgen verkehrsarmen Strassen eignen sich bestens zum Einrollen, aber schon die kurze Steigung in Pyrbaum wird in sehr schneller Fahrt auf dem großen Blatt hochgestürmt, so dass sich Norbert Gömmel am Ortsausgang gezwungen sieht, die Führungsfahrer zu etwas gemäßigter Fahrtweise aufzurufen, um die große Gruppe nicht schon zu früh zu sprengen. Die erste Bewährungsprobe kommt nach der Durchfahrt von Neumarkt in der Oberpfalz, ein relativ langer, aber nicht sehr steiler (5-6%) Berg in Richtung Frickenhofen wird erklommen. Ich orientiere mich an Karl-Ludwig Rösslein, der unten als einer der ersten in den Berg fährt und versuche meinen Rhythmus zu finden. Zwar werden werden wir von vielen Fahrern in der Steigung überholt, aber in der falschen Ebene am Ende der Steigung erwischen 'Luigi' und ich gerade noch einen guten Windschatten und sind an der Gruppe dran, die erste Hürde ist geschafft.
Im welligen, leicht ansteigenden Gelände östlich von Neumarkt schiebt uns der Rückenwind weiter an und schnell erreichen wir den Kreisverkehr bei Albertshofen, hier geht es rechts ab in südlicher Richtung, Velburg und Parsberg die nächsten Ziele. Auf der breiten und glatten Straße geht es in flotter Fahrt weiter, ich orientiere mich auf die linke Seite der 2er Reihe in der Gruppe, um vor dem jetzt herrschenden Seitenwind besser geschützt zu sein.
In Parsberg wird eine kurze Steigung im kleinen Blatt erklettert, jetzt spüre ich in meinen Beinen deutlich die Belastung des Vortages, im Rahmen des Bayern-Laufcups hatte ich an einem sehr hügeligen 10 KM-Lauf teilgenommen, nicht gerade eine optimale Vorbereitung für heute, ob das wohl gut gehen wird?
Über Breitenbrunn geht es auf leicht abschüssiger Strecke in einem schönen Tal in Richtung Dietfurt, dort machen wir nach knapp 100KM und ca. 3 Stunden Fahrzeit den ersten von zwei geplanten Zwischenstops.
Die reichhaltigen Essens- und Trinkvorräte im Begleitfahrzeug werden von den Radlern geplündert. Die Sonne hat sich mittlerweile hinter den von Norden herangezogenen Wolken versteckt und bei 6° und dem lebhaften Wind wollen alle recht schnell wieder aufs Rad.
Im Gegenwind geht es nun Richtung Beilngries und Kinding, Norbert Gömmel erzählt mir von seiner letztjährigen Teilnahme zusammen mit der Rößlein-Gruppe an der RTF Paris-Roubaix über die Originalstrecke (260KM) der Profis, sicherlich ein tolles Erlebnis, vor allem die Einfahrt ins Velodrom in Roubaix nach der überstandenen Tortour.
Der Wind bläst uns nun kräftig entgegen und die jeweiligen Führungsfahrer müssen ganze Arbeit verrichten.
Es folgt ein sehr schöner, leicht welliger Streckenabschnitt zwischen Kinding und Greding, den ich aber leider überhaupt nicht geniessen kann, den auf einmal geht die Post so richtig ab, ein Fahrer mit Triathlonlenkeraufsatz macht vorne wirklich mächtig Druck im Gegenwind und im Nu ist das Feld in drei Teile gesprengt, viele der 'Nicht'-Rennfahrer sind im roten Bereich, darunter auch ich in der letzten Gruppe. Einige Rennfahrer, die sich gerade hinten aufhielten, sprinten nach vorne, die Leistungsunterschiede werden mir mehr als deutlich vor Augen geführt. Aber Gott sei Dank ist der Spuk so schnell wie er kam auch wieder vorbei, die Gruppe läuft wieder zusammen und in etwas normaleren Tempo geht es weiter in Richtung Thalmässing. Ich unterhalte mich kurz mit Timo Eckert vom RC Herpersdorf, der wie ich in Erlangen wohnt.
In Thalmässing erwarte ich wie in den Vorjahren den 2. Verpflegungsstop am Ortsende auf einem Supermarktparkplatz. Es geht eine leichte Steigung hoch und um Kräfte zu sparen, lasse ich mich in Antizipation des Halts nach hinten durchreichen. Aber, ach du Schreck, Norbert fährt weiter und ich muß nun aufgrund meines Fehlers am Feldende wiederum alles geben, um am Berg nicht aus der Gruppe zu fallen, autsch, das tat wirklich weh und kurze Zeit später muß ich an einer weiteren Welle auf der Windkante wirklich abreißen lassen. Gott sei Dank ist da noch das Begleitauto und durch ein kurzes, 200 Meter langes Mitziehenlassen an der Tür hängend schaffe ich in der folgenden Abfahrt schnell wieder den Anschluß an die Gruppe, das war knapp.
An dieser Stelle möchte ich dem Fahrer und der Begleiterin im 'Teamfahrzeug' den Dank der ganzen Truppe aussprechen, vielen Dank für Eure Zeit und die ausgezeichnete Betreuung und Verpflegung währen dieser Tour, mehr kann man für 5 Euro Kostenbeitrag nicht erwarten.
Den 2. Verpflegungsstop gibt es schließlich in der Nähe von Pleinfeld und die Vorräte werden ein zweites Mal von den Fahrern geplündert, vor allem Cola findet nun reißenden Absatz, auch bei mir. 170 Kilometer mit einem Schnitt von 32,5km/h liegen hinter uns und auch wenn ich mich während der letzten Klilometer wieder ein bisschen erholen konnte, spüre ich überdeutlich, dass meine Kräfte für ein zu erwartendes flottes Finale heute wohl nicht reichen dürften. Nach einem kurzen Plausch mit Arbeitskollege Marco beschließe ich daher, beim Abzweig in Georgensgmünd die letzten 30KM direkt in Richtung Schwabach und Startort Worzeldorf zu fahren, während die verbleibenden Fahrer der Gruppe über Abenberg (nochmals ein kurzer Anstieg), Büchenbach und Schwand wie geplant weiterfahren. Ich habe von Norbert erfahren, dass in einer Rückenwindpassage nach Abenberg in der Gruppe nochmals richtig Druck gemacht wurde und habe daher meine Entscheidung nicht bereut, die letzten Kilometer alleine und etwas ruhiger angehen zu lassen, wobei die Kanalbrücke in Katzwang kurz vor Schluß nochmals ein lästiges Hindernis war.
Genau 200Km (mit einer kleinen Zusatzrunde am Ende) stehen bei mir am Tacho, gefahren in 6h22min und einem Schnitt von ca. 31,5km/h. Kurze Zeit später kommt die Gruppe an, 212 schöne Kilometer wurden mit einem Schnitt von ca. 33km/h absolviert. Alle sind glücklich und zufrieden, wenn auch nicht mehr taufrisch, das gilt vor allem auch für den Verfasser dieser Zeilen.
Vielen Dank gebührt Norbert Gömmel und dem RC Herpersdorf für das Organisieren dieser schönen Tour und der für die große Gruppe optimalen Streckenwahl. Und vielen Dank an alle Fahrer, die durch ihre Führungsarbeit und Windschatten auch mir als Hobbyfahrer die Teilnahme ermöglichten. Ich wünsche Euch eine sturzfreie und erfolgreiche Saison 2009 und werde Euch mit meiner Kamera bei einigen Rennen 'belauschen'.
Bis nächstes Jahr!
Das Foto zeigt Norbert Gömmel und seinen Vater sowie einige Fahrer kurz vor Beginn der Trainingsfahrt. Text/Foto Gerhard Plomitzer |
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