|
zurück
|
|
05.09.2010 1 - Thüringisches Jenatec Cycling Team gewinnt XXI. internationale „Tour de Guyane" in Französisch-GuayanaBahnspezialist Timo Scholz schrammt denkbar knapp an Rundfahrt-Sieg vorbei – ihm fehlen fünf Sekunden!
Teamkollege Rüdiger Selig (Jenaer Radverein) gewinnt grünes Punkte-Trikot – Thüringens Zeitfahrmeister René Heinze (SSV Gera 1990) war allen jederzeit bester Helfer
Von Daniel Förster (Text und Fotos)
CAYENNE / GERA / JENA. Das thüringische Radsport-Team Jenatec Cycling hat die XXI. internationale „Tour de Guyane" in Französisch-Guayana gewonnen. Die sechs Männer der Radrenngemeinschaft des SSV Gera 1990 und des Jenaer Radvereins triumphierten im Peloton 17 europäischer und südamerikanischer Teams mit über 100 Fahrern, die bei karibisch feucht-heißen Temperaturen elf Etappen im Überseedepartment am Amazonas bewältigten und verwiesen ihre ärgsten Kontrahenten aus Martinique auf den zweiten Platz.
Den Grundstein für den Erfolg, das weiße Trikot der besten Mannschaft, legten die Deutschen bereits auf der ersten Etappe, als sie es sich erstmals erkämpften und bis zum Schluss nicht wieder hergaben. „Es gab bestimmt Teams, die stärker waren. Aber wir hatten den stärkeren Teamgeist als alle anderen", sagt der zweifache Steher-Europameister Timo Scholz, der Jenatec Cycling als Gastfahrer von Anfang an erfolgsversprechend unterstützte, seine Erfahrungen in den Dienst der jüngeren Rennfahrer stellte und das Team führte. „Jeder konnte sich jederzeit auf den anderen verlassen. Jeder stand zum richtigen Zeitpunkt auf seinem Posten", freute sich der Bahnspezialist.
Scholz selbst fehlten nur fünf Sekunden am Einzelsieg, den er nach 1222,2 Kilometern dem Franzosen Cédric Eustache (Martinique) überlassen musste. Gemessen an der Gesamtlänge der Rundfahrt, die der Sieger in 28 Stunden 39 Minuten und 59 Sekunden zurücklegte, war es nur ein Hauch, den der 38-jährige von dem Champion trennten. Dritter wurde der Franzose Frederick Theobald aus Guadeloupe. Auf der letzten Etappe, einem 12 Kilometer langen Einzelzeitfahren, schob sich Scholz zwar noch an dem bis dahin Führenden vorbei, wurde dann aber von Eustache überflügelt. „Rückblickend haben wir mit den fünf Sekunden hin- und her gerechnet. Ich wüsste nicht, wo wir noch Zeit hätten gut machen können", sagt ein keineswegs enttäuschter, sondern vielmehr glücklicher Timo Scholz. „Ich habe keinesfalls erwartet, mich in der Gesamtwertung auf dem Podium wiederzufinden. Ich bin selber überrascht, dass es so gut lief."
Erfolgsgekrönt beendete auch sein Mitstreiter Rüdiger Selig vom Jenaer Radverein die Rundfahrt. Der sprintstarke Jenatec-Cycling-Mann trat während der Tour viermal aufs Podium, wurde Gesamtsiebenter. Der 21-jährige hatte die dritte Etappe gewonnen und war auf der ersten, fünften und achten Etappe Zweiter geworden – meist aus dem Schlussprint. An ihn gingen letztlich das grüne Trikot des punktbesten Sprinters und das orangefarbene Kombinationstrikot.
Ihren wichtigsten Helfer fanden Timo Scholz, Rüdiger Selig und der Rest des Teams in dem thüringischen Zeitfahrmeister René Heinze. „Er hat Rüdiger oder mich oft an die Spitze gefahren und vor allem Rüdiger die Etappenankünfte lehrbuchmäßig vorbereitet", lobt Scholz den 23-jährigen vom SSV Gera 1990. „Wenn man sein auffälliges Temperament in die richtige Bahn lenkt, dann kann er einem Kontinental-Team ein sehr wichtiger Helfer sein, der Dank seiner Zeitfahrqualitäten auch selber zum Zug kommt. Er muss nur den sportlichen Leitern oder Talentesichtern auffallen." Auf der ersten von zwei Zeitfahretappen überraschte René Heinze als Dritter, weit vor Scholz, der sich als 13. platzierte. Mit 24:48 Minuten rollte er nur 29 Sekunden hinter dem Sieger Julian Rammler (23, Team RMB Potsdam) über die Ziellinie. Und das ohne Zeitfahrscheibe! Constantin Liebenow vom Jenaer Radverein war auf Ansage ganz zuverlässig in allen wichtigen Ausreißergruppen dabei. „Er hat uns damit im Feld geschont, so dass wir uns unnötige Reaktionen sparen konnten. Das ist für einen 19-jährigen Rennfahrer echt stark", zollt Scholz ihm Respekt.
Auf der schweren Königsetappe zeigten die beiden Bergspezialisten Mathias Wiele (24) und Rick Ampler (20, Jenaer Radverein), Sohn von Olympiasieger Uwe Ampler, dass sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Die beiden zogen in einer Sechser-Spitzengruppe davon. Wiele wurde nach 145 Kilometern Dritter, Ampler Vierter.
„Wir haben uns taktisch gut über die elf Etappen gekämpft", resümiert Timo Scholz, der schon 2008 alle insgesamt drei französischen Überseerennen gefahren ist und die nötigen Erfahrungen für das Team mitbrachte. „Das ist eine ganz andere Art, Radrennen zu fahren, als wir es von uns zu Hause kennen. Durch die Mentalität der Franzosen entstehen völlig andere Rennsituationen. Schon auf dem ersten Kilometer geht es von Null auf 50, es wird übermäßig lange attackiert und es ist immer wieder schwer einzuschätzen, wann einer wegfährt oder nicht."
Der sportliche Team-Leiter und ehemalige Kapitän der DDR-Friedensfahrt-Auswahl Thomas Barth jubelt über das überraschend gut Abschneiden seiner Schützlinge. „Bei unserem ersten Übersee-Rennen hat sich unsere monatelange harte Arbeit enorm gut ausgezahlt. Wahnsinn!" (df)
www.jenatec-cycling.de |
|
| |
|
|